Drei Wochen später …

Posted: 21/10/2010 in Blog

Seit drei Wochen nehme ich gegen Wechseljahrebeschwerden das homöopathische Mittel Sulfur C 12, 2×5 Globuli täglich – and it works! In den ersten drei Tagen trat eine Erstverschlimmerung auf, nach der ersten Woche reduzierten sich die Hitzewallungen stark und mein Allgemeinbefinden verbesserte sich deutlich. Dann erwischte mich jedoch eine Durchfallerkrankung, ein paar Tage nahm ich die Globuli nicht, die Hitzewallungen hielten sich in erträglichen Grenzen. Letzten Samstag ging es mit der Einnahme weiter, seitdem ereilen mich nur noch zwei mittelstarke Hitzeattacken am Tage und eine in der Nacht. Meine Stimmung hat sich sehr aufgehellt, was allerdings auch daran liegen dürfte, dass ich nachts nicht mehr durch mehrere Attacken geweckt werde und ausgeschlafen bin.

Seit dem ich im Bayernlande lebe, bin plage ich mich mit häufigen Durchfallerkrankungen und mit drei bis vier starken Erkältungen jährlich herum. Die vierte Rotznase in diesem Jahr habe ich letztens hinter mich gebracht. Mir reicht’s! Zur Stärkung meines Immunsystems empfahl die Ärztin mir als Therapeutikum ein Bakterienextrakt (30-Tage Kur), das diese lecker Sachen enthält: Haemophilus influenzae, Diplococcus pneumoniae, Klebsiella pneumoniae und ozaenae, Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes und viridans und Neisseria catarrhalis – praktisch eine Impfung mit Tabletten. Ich hoffe, dass das Bakterienbombardement bei dem stolzen Preis von 40,91 Euro auch hilft (in der Apotheke bin ich fast hintenrüber gefallen). Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für das Präparat nicht.

Was mich ungemein beruhigt ist, dass die Ärztin mein gesundheitliches Schwächeln nachvollziehen kann. Sie ist selbst eine “Zuagroaste”, die nun seit 18 Jahren hier lebt und es ihr in den ersten drei Jahren nicht besser ging als mir. Da besteht ja noch Hoffnung für mich …

Friedrich Nietzsche (1844-1900): Also sprach Zarathustra

EINEN TANZENDEN STERN GEBÄREN

Als Zarathustra diese Worte gesprochen hatte, sah er wieder das Volk an und schwieg. “Da stehen sie”, sprach er zu seinem Herzen, “da lachen sie: sie verstehen mich nicht, ich bin nicht der Mund für diese Ohren. Muss man ihnen erst die Ohren zerschlagen, dass sie lernen, mit den Augen hören? Muss man rasseln gleich Pauken und Bußpredigern? Oder glauben sie nur dem Stammelnden?

Sie haben etwas, worauf sie stolz sind. Wie nennen sie es doch, was sie stolz macht? Bildung nennen sie’s, es zeichnet sie aus vor den Ziegenhirten. Drum hören sie ungern von sich das Wort ‘Verachtung’. So will ich denn zu ihrem Stolze reden. So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen: das aber ist der l e t z t e M e n s c h.”

Und also sprach Zarathustra zum Volke:
“Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze. Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!

Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.

Seht! Ich zeige euch den l e t z t e n M e n s c h e n.”

“Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?”, so fragt der letzte Mensch und blinzelt.

Die Erde ist dann klein geworden und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.

“Wir haben das Glück erfunden”, sagen die letzten Menschen und blinzeln.

Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme. Krank werden und Misstrauen haben gilt ihnen sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der noch über Steine oder Menschen stolpert! Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben. Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung nicht angreife.
Man wird nicht mehr arm und reich: Beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.

Kein Hirt und eine Herde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in’s Irrenhaus. „Ehemals war alle Welt irre, sagen die Feinsten und blinzeln. Man ist klug und weiß alles, was geschehen ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald – sonst verdirbt es den Magen. Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit. “Wir haben das Glück erfunden”, sagen die letzten Menschen und blinzeln.

Und hier endete die erste Rede Zarathrustras, welche man auch ‘die Vorrede’ heißt: denn an dieser Stelle unterbrach ihn das Geschrei und die Lust der Menge. “Gib uns diesen letzten Menschen, oh Zarathustra”, so riefen sie, “mache uns zu diesen letzten Menschen! So schenken wir dir den Übermenschen!” Und alles Volk jubelte und schnalzte mit der Zunge. Zarathustra aber wurde traurig und sagte zu seinem Herzen:

“Sie verstehen mich nicht: ich bin nicht der Mund für diese Ohren. Zu lange wohl lebte ich im Gebirge, zu viel horchte ich auf Bäche und Bäume: nun rede ich ihnen gleich den Ziegenhirten. Unbewegt ist meine Seele und hell wie das Gebirge am Vormittag. Aber sie meinen, ich sei kalt und ein Spötter in furchtbaren Späßen. Und nun blicken sie mich an und lachen: und indem sie lachen, hassen sie mich noch. Es ist Eis in ihrem Lachen.”

Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch. – Das gefällt mir. Der Rest übrigens auch.

Wechselhaftes

Posted: 01/10/2010 in Blog

Bedingt durch die Urlaubszeit hatte ich gestern endlich einen Termin bei der Ärztin wegen meinen Wechseljahrenbeschwerden in Form von Hitzewellen. Sie ist Allgemeinmedizinerin, aber auch in klassischer Homöopathie ausgebildet. Knapp eine halbe Stunde dauerte das Erstgespräch. Es war ein anregendes Gespräch über die Art und Weise der Hitzewallungen, Lebensituation und Gott und die Welt. Ich bekam Sulfur C 12 als Gegenmaßnahme aufgeschrieben. Was die 10 g Streukügelchen kosten, weiß ich nicht genau (habe mir dummerweise den Kassenbon nicht mitgenommen), zusammen mit einem Hustentee bezahlte ich in der Apotheke etwas über 14 Euro. In drei Wochen ist der nächste Termin angesetzt. Während dieser Zeit soll ich meine Hitzewallungen protokollieren mit Uhrzeit, Stärke, von woher sie beginnen (bei mir fangen die Wallungen meistens in den Füßen an) und mein allgemeines tägliches Befinden. Mein heutiges Befinden ist Erschöpfung. Um 3:00 Uhr war die Nacht zu Ende. Die Hitzewallungen fingen wieder an, bis 6:00 Uhr gab es vier davon, zwischendurch unruhig weitergeschlafen. Des Nachts nervt es mich ganz gewaltig, weil ich von der wallenden Hitze sofort aufwache. In drei Wochen schauen wir denn mal weiter.

Mein Freund ist nun bereits seit sechs Wochen als LKW-Fahrer unterwegs. Sechs Wochen Nachtschicht im Begegnungsverkehr, jede Nacht insgesamt 640 Kilometer abreißen. Mit der Spedition, für die er arbeitet, ist er bestens zufrieden, netter kleiner Familienbetrieb mit ca. 25 Fahrern, Gehalt stimmt auch, aber die Nachtschicht zerrt allmählich an seiner Substanz. Er leidet sehr darunter, dass wir uns kaum sehen und er am WE zu müde ist, um noch zusammen etwas zu unternehmen. Morgens kommt er zwischen 6:00 – 7:30 Uhr nach Hause, bringt mich meistens noch zur Arbeit, geht schlafen und holt mich um 16:30 Uhr von der Arbeit ab, ggf. schnell noch einkaufen fahren, essen und um ca. 18:45 Uhr geht es auf zur Arbeit. Ein Ende ist jedoch abzusehen, im Oktober steht noch die Nachtschicht auf dem Programm, ab November fährt er im monatlichen Wechsel Tag- und Nachtschicht. Ich vermisse ihn gescheit und bin erleichtert, wenn er morgens müde aber heil auf der Matte steht. Einmal bin ich schon mit ihm mitgefahren, dazu gibt es an anderer Stelle noch einen Artikel

Das liebe Zombie-Team hatte mitbekommen, dass mein Freund arbeitslos war und nun als LKW-Fahrer arbeitet und nicht mehr als Steuerfachangestellter. Die haben mich angeschaut, als ob ich die Beulenpest hätte und das Thema wurde ganz schnell gewechselt. Dieses arrogante Pack sollte sich nach dem, was in diesem Jahr passiert ist, nicht zu weit aus dem Fenster hängen. Von externen Gutachtern wurde unsere Arbeit zweimal abgewatscht: Im Februar hieß es sinngemäß “Thema verfehlt, sechs – setzen”. Im August gab es zwar eine Verbesserung zu einem “ausreichend”, die defizitären fachlichen Qualifikationen der Koordinatorin kamen jedoch aufs Tableau. Ich schäme mich absolut nicht für die Arbeit meines Freundes. Warum auch? Ich schäme mich, dass ich in diesem akademischen Idiotenteam mit von der Partie bin. Aber sei’s drum, für ihr Karma sind sie selbst verantwortlich.

no way out

Posted: 19/09/2010 in Blog

Aus der hausinternen Bewerbung im Juni ist nichts geworden. In dem Arbeitsbereich saß noch eine Halbtagskraft, die sich dazu entschied, ganztags zu arbeiten. Den Jobzuschlag bekam natürlich die Dame, weil sie eingearbeitet ist. Eine weitere hausinterne Bewerbung habe ich nach langem Überlegen nicht abgegeben. Würde man sich für mich entscheiden, säße ich eine Etage tiefer, aber immer noch in der Verwaltung. Meine Vorgesetzte würde versuchen und (wenn ich Pech hätte) auch durchsetzen, weiterhin “Zugriff” auf mich haben – die unverschämte Art meiner Vorgesetzten kenne ich mittlerweile nur zu gut. Allerdings würde ich einen scheißdreck tun, ihre Suppen auszulöffeln, die sie sich selbst eingebrockt hat. Diese Klarstellung würde jedoch sehr viel Ärger und Stress bedeuten. Darauf habe ich keine Lust mehr. Eine gebäuderäumliche Trennung wäre besser für mich.

Gestern stand ein interessantes Stellenangebot in der Zeitung und irgendwas drang an die Oberfläche, nämlich meine Kündigungsfrist. Schnell noch einmal nachgeschaut und die Krise wurde noch größer:
Kündigungsfristen nach TV-L der Länder §§ 30 bis 35
befristete Verträge von insgesamt mehr als zwei Jahren Beschäftigungszeit: 3 Monate zum Quartalsende
jedoch gilt für unbefristete Verträge:
von mehr als einem Jahr Beschäftigungszeit: 6 Wochen zum Quartalsende
von mindestens fünf Jahren Beschäftigungszeit: 3 Monate zum Quartalsende

Mein Arbeitsvertrag ist auf fünf Jahre befristet. Seit fast 2 1/2 Jahren stecke ich in diesem Vertrag. Mit 48 Jahren einen anderen Job zu finden, ist schon fast unmöglich. Falls das blinde-Huhn-findet-auch-mal-ein-Korn-Prinzip unerwartet greifen sollte, wird kein Arbeitgeber mindestens 6 Monate auf mich warten. Einen Auflösungsvertrag würde ich mit absoluter Sicherheit nicht durchsetzen können.

Ich fühle mich wie ein Tiger im Käfig. Einen Ausgang aus der beruflichen Misere sehe ich überhaupt nicht mehr, die Situation akzeptieren kann ich nicht. Manchmal hasse ich mein Leben. :-(

Habe ich gelacht …

Posted: 31/08/2010 in Blog