Meine Zombies

Posted: 23/07/2010 in Blog

Seit Oktober 2008 verfolgen mich Zombies in meinen Träumen und ich habe eine irreale Furcht vor diesen seelenlosen und hirnfressenen Kreaturen entwickelt. In meiner Phantasie sind die Straßen voll von ihnen, sie rotten sich vor dem Haus zusammen und wollen hinein. So manches Mal habe ich mich jedoch gefragt, ob ich ein Zombie bin oder die anderen es sind. Freak oh psycho horror show lässt grüßen …

Vor zwei Wochen stach mir das Cover des Buches “Pride and Prejudice and Zombies” ins Auge und ich kaufte es. Autor Seth Grahame-Smith nahm sich Jane Austens Klassiker “Stolz und Vorurteil” vor (ein Sittengemälde, 1813 erschien) und ergänzte die Originalhandlung um eine Zombieplage. Diese Plage erscheint genauso selbstverständlich und “normal”, wie marodierende Räuberbanden, Kriegshandlungen, Mückenplagen etc. – lästig, aber man muss halt damit leben. Attacken und Metzeleien passieren zu allen günstigen und ungünsten Gelegenheiten, danach geht es weiter im Takt. Das Leben lässt sich keiner dadurch unnötig vermiesen. Fünf Töchter unter die Haube zu bringen, der schnöde Mammon, Status, Ansehen, Sitten, Stolz und Vorurteile sind da schon problematischer als alle Untoten, gegen die man sich immerhin wehren kann.

Mein Fazit: Zombies sind sehr real bzw. sehr real ist, für was diese Kreaturen stehen. Stichworte: sich außgestoßen fühlen, die Umgebung als feindlich gesonnen empfinden, Zurechtkommen in veränderten Situationen, Toleranz und Akzeptanz, Überprüfung des Verhaltens, Werte, Normen, Traditionen, Kampf (von Stolz und Vorurteile mal ganz abgesehen).

Bemerkenswert finde ich in dem Buch die Schicksale von Charlotte, die Freundin der Protagonistin Elisabeth, und Elisabeths Schwester Jane. Charlotte wird in einem Kampf durch einem Zombie verletzt, ist infiziert und transformiert zu einem Zombie. Selbst als alle Zeichen (Aussehen, Motorik, Sprachfähigkeit und Stimme) dermaßen eindeutig sind, wie ein Knüppel auf den Kopf, bemerkt keiner etwas, weder ihr Ehemann und nicht einmal die erfahrensten Zombiekiller. Jane hingegegen fängt sich lediglich eine üble Grippe ein, ein erfahrener Zombiekiller deutet dieses als Infektion mit dem Zombievirus und bewegt seinen Freund, der Jane gerne heiraten würde, zur Abreise auf nimmer Wiedersehen (am Ende bekommen die beiden sich doch noch). Das Offensichtliche wird nicht wahrgenommen oder will nicht wahrgenommen werden, sehr spät bis fast zu spät wird reagiert. Wo nichts ist, wird viel hineineinterpretiert, schnell und falsch gehandelt, Menschen unnötig Leid zugefügt.

Amüsiert habe ich mich auch darüber, wie die Eigenschaften “Rechthaberei und Besserwisserei” verarbeitet wurden. Elisabeth und ihre Schwestern wurden in den 37 Kammern des Schreckens in einem Shaolin Kloster in China als Kämpferinnen gegen die Zombies ausgebildet. Lady Cathrine de Bourghe, No 1 Zombiemetzlerin der Britischen Krone und schon älteres Semester, ließ sich in Japan ausbilden. Aufgrund ihres Status und genügend Kohle, ist sie umringt von was-weiß-ich wie vielen Ninjas. Bei ihrer ersten Begnung fordert Her Ladyship Elisabeth zu einem Kampf gegen einige (7-9) ihrer Ninjas heraus, Regeln: keine außer Kampf bis zum Tod. Elisabeth hat kaum Mühe, die Ninjas zu töten. Her Ladyship ist selbstredend extrem angepisst und bleibt ihrer selbstherrlichen Meinung treu und trötet sie auch zu jeder sich bietenden Gelegenheit heraus, dass es die beste und effektivste Kampfausbildung in Japan gibt, die chinesischen Methoden taugen nichts. Das die untaugliche chinesische Methode einige ihrer Ninjas zum Opfer hatte, störte dabei nicht. Lady Cathrine ist nicht nur eine extreme Rechthaberin und Besserwisserin sondern auch neidisch und eifersüchtig auf Elisabeth, alles in allem eine bösartige alte Frau.

So, die Zombies in meiner Phantasie sind nun in die Realität geschlurft und das ist gut so. Wenn es mal wieder ganz dicke kommt, schaue ich einmal im Kreis herum und denke: “Meine lieben Zombies …” ;-)

Links zu “Stolz und Vorurteil und Zombies”:
Phantastik Couch.de, Wikipedia

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